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"Ich habe nicht erwartet, dass Taschkent so interessant ist"

Peter Knoch über die Architektur der Hauptstadt und die Tätigkeit der ECM Group in Usbekistan. Ein Interview für spot.uz


Usbekistan hat in der letzten Zeit immer mehr die Aufmerksamkeit ausländischer Unternehmen im Hinblick auf seine Geschäftsentwicklung auf sich gezogen. Dazu gehören auch die Planung und der Bau komplexer Bauprojekte.


Welche Dienstleistungen bietet die ECM Group insgesamt an, und welche davon in Usbekistan?


Wir haben zwei Büros: in Berlin und in Taschkent. Derzeit haben sie noch unterschiedliche Schwerpunkte. Grundsätzlich aber bieten wir in Deutschland, Europa und Zentralasien Planungs-, Baumanagement- und Beratungsleistungen in verschiedenen Segmenten des Immobilienmarkts an.


2022 haben wir Entscheidung getroffen ein Büro im Herzen Zentralasiens, – in Taschkent zu eröffnen.


In unserem Büro in Taschkent entwickeln wir High-Tech- Produkte: so genannte digitale Zwillinge von Immobilien, VR/AR-Simulationen, sowie aerodynamische und Mikroklima-Simulationen (CFD-Modellierung), die auf einem BIM-Modell basieren. Diese Produkte werden international stark nachgefragt, von daher ist die Aufgabe unseres Taschkenter Büros der Export von Digitalleistungen auf die Weltmärkte.


Warum haben Sie Usbekistan als Land für die Geschäftsentwicklung der ECM Group ausgewählt?


Das hat eine kleine Vorgeschichte. Ich war das erste Mal 2017 in Taschkent. Das ist zwar nicht so lange her, aber es war früher als bei vielen anderen ausländischen Vertretern der Branche. Damals wurde ein Projekt für die Begleitung der Ausgestaltung des Parks Taschkent City gestartet. In diesem Zusammenhang habe ich die Stadt und meine Kollegen vor Ort kennengelernt und einen sehr positive Eindruck mitgenommen.


Diese Erfahrung hat uns auf die Idee gebracht, ein Büro in Taschkent zu eröffnen. Schon beim ersten Besuch fiel mir der Stand moderner Technologien im Bauwesen auf. Als Architekt kann ich erkennen, welche Technologien zum Einsatz kommen und wie Baustellen organisiert werden.. Die Entwicklung hier in der Hauptstadt unterscheidet sich dabei nicht von denen in europäischen Städten.


Welche weiteren Wachstumspotentiale gibt es in Usbekistan?

Ich sehe, welche Nachfrage es derzeit in Usbekistan gibt: vor allem für Logistik, Tourismus, medizinische und Bildungscluster, sowie die Entwicklung der Energiewirtschaft auf der Grundlage erneuerbarer Energiequellen. Und in Taschkent selbst – in der Hauptstadt, in die so viele Menschen kommen – gibt es zudem eine hohe Nachfrage nach der Entwicklung von Wohngebäude, Schulen, Freizeit- und Sporteinrichtungen.


Es ist aber wichtig zu verstehen, dass bei der sozialen Infrastruktur nicht nur das Tempo zählt. Manchmal ist hohes Tempo nicht der beste Weg.


Denn wenn während des Bauphase ein Problem auftritt, entstand dieses in den meisten Fällen bereits in der Phase der Erstellung eines Konzepts oder eines digitalen Modells - in einem Stadium also, in dem der Fehler leicht hätte behoben werden können.


Deshalb ist es wichtig, einen langfristigen Ansatz zu entwickeln - was Aufwand und Investitionen erfordert. Die Ergebnisse aber werden nicht nur für die Bewohner, sondern für das ganze Land zu erkennen sein.


Ein wichtiges Instrument ist dabei die Entwicklung strategischer Masterpläne, die es ermöglichen, die Entwicklung von Städten und Regionen über viele Jahre hinweg zu steuern und dabei die Bedürfnisse einer schnell wachsenden Bevölkerung zu berücksichtigen. Dank integrierter Planung ist dies aber möglich. Und Ingenieure und Architekten spielen in diesem Prozess eine besondere Rolle.


Eine weitere Aufgabe ist der Bau von erschwinglichen Wohngebäuden und die Entwicklung eines komfortablen Wohnumfelds von hoher Qualität, in dem die Menschen miteinander kommunizieren und alle erforderlichen Dienstleistungen an einem Ort vorfinden können. Die ECM Group verfügt über Kompetenzen im Bereich der Planung von komfortablen Sozialwohnungen mit hohem Standardisierungsgrad. Diese werden mittlerweile auch in Deutschland und Europa nachgefragt.

Wir haben die Baupraxis in Usbekistan für uns analysiert und noch Differenzen zwischen den Baunormen der Länder der ehemaligen UdSSR und der internationalen Praxis festgestellt. In der Zukunft ist eine schrittweisee Harmonisierung selbstverständlich erforderlich. Hier verfügen wir über umfangreiche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit jeweiligen lokalen Partnern und sind bereit, diese Erfahrung auch in Usbekistan einzusetzen.


Sie haben das Buch „Taschkent mit den Augen eines deutschen Architekten“ geschrieben. Was hat Sie besonders in dieser Stadt inspiriert?


Vor dem ersten Besuch habe ich bei den Kollegen gefragt: was gibt es in Taschkent zu sehen? Und sie haben geantwortet: „Nichts“. Aber als Architekt bin ich ja an allem interessiert, was gebaut ist: an den neuesten Gebäuden ebenso wie an Plattenbauten und dem historischen Erbe. In Taschkent war ich spontan beeindruckt: es findet sich Architektur unterschiedlicher Epochen auf internationalem Niveau. Und genau das wollte ich zeigen: dass es sich lohnt, hierher zu kommen und Neues zu entdecken.


Beeindruckt haben mich auch die Grünflächen, die Parks, die Kanäle: eine Stadt in einem Park. So etwas ist in anderen Großstädten nur selten zu finden.


Das Buch richtet sich einerseits an die Taschkenter, um zu zeigen, was uns– mit dem Blick von außen – in Taschkent auffällt. Andererseits richtet sich „Taschkent mit den Augen eines deutschen Architekten“ aber auch an Ausländer: das Buch ist Aufforderung, hierher zu kommen.


War es für Ihr Unternehmen schwierig, die erforderlichen Fachleute auf dem usbekischen Arbeitskräftemarkt zu finden? Und wenn ja, wie kommen Sie damit klar?


Als Tochterfirma eines ausländischen Büros haben wir es in dieser Hinsicht etwas einfacher: Fachleute finden uns teilweise selbst über unseren internationalen Ansatz.


Zusätzlich hat das Unternehmen ein System zur Ausbildung junger Mitarbeiter vor Ort entwickelt, um sie zu Experten zu machen, die mit Kollegen weltweit konkurrieren können.


Wir setzen allerdings Deutschkenntnisse auf einem Niveau voraus, dass gemeinsame Projektarbeit ermöglicht. Wichtig ist auch, die wesentlichen Softwareprogramme zumindest zu kennen – wir schulen dann weiter an realen Projekten.


Die ECM Group ist ein europäisches Ingenieurunternehmen, das Ingenieurdienstleistungen auf internationalem Niveau in unterschiedlichen Segmenten wie Wohnungsbau, Industrie, Hotels und Touristenkomplexe, sowie Infrastruktureinrichtungen, anbietet. Die Büros des Unternehmens befinden sich in Berlin und Taschkent. Die ECM DigitalTech ist dabei eine Tochtergesellschaft der ECM Group, sie entwickelt digital Produkte gezielt für den Export.
Seit 2015 hat das Unternehmen mehr als 450 Projekte in Deutschland, Osteuropa und Zentralasien erfolgreich realisiert. Ein wichtiges Projekt des Unternehmens in Usbekistan war die Beteiligung an der Umsetzung des Tashkent City Parks und des neuen Flughafens in Samarkand.
Die Adresse unserer Niederlassung in Taschkent ist: Amir Temur Ave. 88A.

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